Warum brauchen wie Sozialprojekte?

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Innovationen schützen vor struktureller Starrheit und Unterkühlung. Deshalb habe ich mich vor 25 Jahren entschlossen, Handlungsprojekte zu initiieren, die neue Impulse durch Modellansätze geben.

Handlungsprojekte sind nicht immer objektiv messbar. Sie leben von Interventionen  der Projektbeteiligten und  der wissenschaftlichen Begleitung. Man lässt nicht ein Projekt scheitern, nur weil die Ergebnisse unverfälscht empirisch auswertbar sein müssen.  Trotzdem hat Handlungsforschung eine Methodik, auch wenn dann mehr als in der traditionellen empirischen Forschung auf die Interpretation des Forschungsprozesses, seiner Probleme und Vorzüge Wert gelegt wird.

Ich möchte das kurz an zwei Handlungsprojekten demonstrieren. In meinem ersten Projekt „Frauen in gewerblich – technische Berufe (1990 – 1995 ) sollten alleinerziehende  Frauen in zu Feinmechanikerinnen , Elektromechanikerinnen , und Dreherinnen ausgebildet werden.  Es wurden zwei Modellversuchsrunden durchgeführt.  Es ist fast selbstverständlich, dass wir die Formen der Auswahl, der  Kinderbetreuung, des Förderunterrichts und der betrieblichen Praktika aus den Erfahrungen der ersten Runde  veränderten.  Das betraf die schulischen Voraussetzungen und eine kontinuierliche Kinderbetreuung, um unnötige Abbrüche während der Vorförderphase und in der Umschulung zu vermeiden.  Meine neun  Zwischen- und  Endberichte dokumentierten nicht nur die Leistungsergebnisse in den Prüfungen und die Integrationserfolge, sondern zeigen auch Bedingungen auf, wie besondere Vermittlungsleistungen zwischen den Teilnehmerinnen und den Werkstätten oder die notwendige psychosoziale Begleitung  durch die Sozialpädagoginnen oder die Bedeutung eines einfühlsames und individuellen Förderunterrichts.

Im zweiten Handlungsprojekt hatte ich die Evaluation des Psychiatrie-Budgets  im Kreise Herzogtum Lauenburg (2008 -2012) übernommen. Ich greife nur einen Aspekt heraus. Von wesentlicher Zielstellung war die Frage, ob über umfassende ambulante Versorgung psychiatrisch Kranker durch Home Treatment möglich ist und welche Bedingungen dafür gelten müssen. Die wissenschaftliche Begleitung musste zusammen mit den in der Psychiatrie Beschäftigten Ärzten, Pflegern, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten und Psychologen  Konzepte entwickeln, die es ermöglichen, dass die stationäre und teilstationäre Versorgung (Tageskliniken) zu Gunsten eines Home Tratment  erfolgreich installiert werden kann. Das Ergebnis war, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen Interventionen (von der systemischen Familientherapie bis zur Arbeitstherapie)  erprobt und in einem wissenschaftlichen Zwischenbericht und einem Abschlussbericht dokumentiert wurde und die Verweilzeiten in der stationären Versorgung zu den niedrigsten Deutschland gehörten. Ein schöner Nebeneffekt war, dass im vergangenen Jahr diese aus Schleswig-Holstein kommende Konzeption des selbst zu verwaltenden Budgets für psychiatrische Patienten in den Kliniken vom Bundesminister Gröhe zum Regelkonzept gemacht wurde.

Aktuell entwickle  ich Konzepte und berate Hochschulen, die die Quote der Studienabbrecher reduzieren wollen. Dabei hatte meine Auswertung der Daten für die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein gezeigt, dass mit 38% respektive 37 % leider überdurchschnittliche Abbruchquoten im Jahre 2013 zu verzeichnen waren. Aufgabe der handlungsorientierten Begleitung wird es sein, attraktive Konzepte und individuelle Wege aufzuweisen, wie die Übergänge von Hochschule zur Berufsschule – mit Modulanrechnungen – möglich sein werden.

Wir sehen, dass eine nach methodischen Standards , aber auch flexible und prozessorientierte Begleitung eine Bereicherung der Soziallandschaft darstellen kann. Nicht nur , weil die wissenschaftliche Begleitung in den Modellversuchen mit für Strukturierung und Effektivität der Instrumente sorgen kann, sondern auch über die Publikation den Bekanntheitsgrad dieses Modellvorhabens  steigern kann.

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