Selbstoptimierung

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Googelt man den Begriff „Selbstoptimierung“ erhält man 95.100 Treffer und selbst die großen Zeitungen wie die FAZ oder der Stern haben sich dem Thema angenommen. In solchen Artikeln geht es häufig darum wie der Zwang zur Selbstoptimierung zunehmend den Alltag des modernen Menschen beherrscht. Wir möchten besser essen, mehr Wasser trinken, achtsamer sein, unsere Finanzen besser im Griff haben, effektiver arbeiten und praktizieren hobbymäßig Gerhirnjogging. Es geht stets darum besser als der andere zu sein, das Optimum aus sich herauszuholen, sich und sein Leben zu kontrollieren. Es scheint als versuchten wir in einer Welt, in der die meisten Dinge unkontrollierbar und unsicher sind, wenigstens eine Sache zu beeinflussen – uns selbst.

Selbst unser Partner oder unsere Freunde scheinen heutzutage bloß Faktoren darzustellen und in die Kategorie „Privatleben“ zu fallen, neben Bereiche wie „Karriere“, „Gesundheit“ und „Selbstverwirklichung“. Motivationscoaches ermutigen uns dazu diese verschiedenen Bereiche stets auf ihre Richtigkeit zu überprüfen und zu optimieren.

Bin ich noch zufrieden? Kann ich meine Beziehungen vorantreiben? Kann ich etwas an mir verändern, damit sich meine Beziehung verbessert? Passt der andere zu mir? Wir geben uns nicht mehr zufrieden mit dem Standard, suchen das Optimum, versuchen aus unserem Leben das bestmögliche herauszuholen und wollen keine Zeit verschwenden. Wir kategorisieren unser Leben, ordnen es und beseitigen Störfaktoren, sobald wir das Gefühl haben sie stimmen nicht mehr mit uns überein.

Damals haben sich die Menschen noch nicht so viele Gedanken um sich selbst gemacht. Vor vielen Jahren, als auch im Job noch nicht das Maß an Flexibilität und Kreativität gefordert war, wie wir es heute vorfinden, gab es noch keine „Glücks-Ratgeber“ auf dem Markt mit unverschämt zufrieden dreinschauenden Autoren auf den Covern, die allesamt unfassbar ausgeglichen aussehen. Jedes mal, wenn mich ein solcher Autor anstrahlt, vermittelt er mir das Gefühl überaus erfahren zu sein und ein Geheimnis zu hüten, das er netterweise auf den nächsten Seiten mit mir teilt: Das Geheimnis des Glücklichseins.

Wir denken, dass wir unser Leben kontrollieren können, doch ist es nicht dieser Gedanke, der uns in Wahrheit gefangen hält? Wie frei wären wir, wenn wir Dinge tun würden, nicht der Optimierung wegen, sondern aus Freude an der Sache selbst? Muss wirklich jeder Schritt unseres Lebens daraufhin überprüft werden inwiefern er uns nützt und uns zufrieden stellt? Müssen wir überhaupt sooft darüber nachdenken, ob wir glücklich sind? Ist es nicht möglich, dass es allein unser Ego ist, das uns sagt, dass wir glücklich werden, wenn wir dies oder jenes erreichen oder besitzen? Womöglich kann man auch diesen Gedanken in einem der zahlreichen Glücksratgeber nachlesen. Vielleicht ist es einfach die Stille, die sich einstellt, wenn wir das sich ewig drehende Gedankenkarussell stoppen, die uns zur Ruhe kommen lässt und uns verstehen lässt, dass wir bereits alles haben, um ein erfülltes Leben zu führen – wir müssen es nur erkennen.

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