Magazin

Im Coeur Magazin finden nicht nur Visionen einer besseren Welt ihren Platz. Porträtiert werden vor allem Menschen, Organisationen und Projekte, die mit sozialer Innovation bereits Erfolge nachweisen können. Auf diese Weise bleibt das Coeur Magazin nicht bei einer gesellschaftlichen Bestandsaufahme stehen, sondern inspiriert durch journalistisch hochwertige Beiträge zum Neudenken.

Coeur Magazin – Schule und Bildung – 01/2015

Coeur – Schule und Bildung

Die Gruppe der »Schulkritiker« ist groß – und entsprechend klein die Anzahl derjenigen, die das aktuelle Schulsystem gut finden. Schule schafft genormte Schüler. Wer sich dagegen zur Wehr setzt und ein Umdenken, eine Förderung individueller Stärken fordert, rennt oftmals gegen Wände. Denn die Bürokratie verhindert Veränderungen zu ihrem eigenen Selbsterhalt. Damit der Prozess der Systemkompabilität funktioniert, müssen Gefühle, Hilfsbereitschaft, Selbstbewusstsein, Mitgefühl, Neugier nur allzu häufig zurückgestellt werden.

Coeur – Digital Naives

Ohne dass wir genau sagen können, wie es geschehen ist, hat sich der Geist des Digitalen unserer Realität bemächtigt. Und unserer Sprache. Die Digitalisierung, das internet of things oder die Industrie 4.0 sind in aller Munde, aber kaum jemand kann angeben, was damit gemeint ist und wohin die Reise führen wird. Denn entgegen der Behauptung, dass sich hier nur jene Entwicklung fortschreibt, die die industrialisierte Moderne kennzeichnet, befinden wir uns tatsächlich in einem Epochenbruch. Anders als der Dämon des industriellen Zeitalters, die Dampfmaschine, die „alles Stehende und Ständische verdampfen“ ließ, wie Marx zurecht prophezeite, ist der Geist des digitalen Zeitalters nicht materiell und grob maschinenförmig, sondern ungreifbar – und weithin unbegriffen. Tatsächlich ist eine Konstellation absehbar, bei der eine kleine Minderheit, eine Priesterschar der Kundigen, einer großen Masse digitaler Analphabeten, digital naives, gegenübersteht. Deren (unsere) Rat- und Arglosigkeit gibt aber Anlass zu großer Sorge, weil sie den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaften bedroht. Finanzblasen, Staatsbankrotte, die Krise der staatlichen Bildung, wachsende Armut, die „Freisetzung“ von Arbeit, Gewaltzunahme, Terrorismus und ein Wiedererstarken der Religionen sind ohne ein Verständnis der Genese und der Entwicklungsdynamik dessen, was wir – zumeist unbedacht – Digitalisierung nennen, weder durchschaubar noch beherrschbar. Aufklärung, der Ausbruch aus „selbst verschuldeter Unmündigkeit“ ist daher heute mindestens so dringlich wie zu Immanuel Kants Zeiten.

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